Sprechen wir mal über Uber

Über Uber wurde bereits viel berichtet, geschrieben und es wird sehr gerne als Beispiel für „DIE digitale Transformation“ verwendet.

Doch wenn man Uber mal näher betrachtet, dann stellt sich eine ganz entscheidende Frage: womit wird aktuell Geld verdient und wie sieht das Geschäftsmodell aus?
Das Handelsblatt hat hierzu einen interessanten Artikel mit dem Titel „Uber verliert 2,8 Milliarden Dollar“ Mitte April 2017 veröffentlicht.

Quintessenz aus dem Beitrag: wie wird sich Uber neues Geld am Markt beschaffen?

Das ist wiederum spannend, da ein funktionierendes Geschäftsmodell nicht unbedingt auf frisches Kapital angewiesen sein sollte.

Rückblick

Drehen wir ein wenig die Zeit zurück:
Es gab mal eine Zeit, da wollte man von einem Ort zum anderen reisen, hatte kein eigenes Auto (weil Besuch in einer fremden Stadt), öffentliche Verkehrsmittel waren keine Option und man käme nicht schnell zu diesem Ort. Kurz, man hat sich ein Taxi gerufen oder direkt eines (Flughafen, Bahnhof, Straße, etc.) genommen. Alles schön und gut. Geschäftsmodell? Einfach: Fahrer (mit entsprechenden Voraussetzungen) ist bei einem Taxiunternehmen angestellt, erhält Geld für die Fahrten und der Gast bezahlt den Service nach festgelegten und einsehbaren Sätzen.

Uber

Und dann kam 2009: Uber erblickte das Licht der Welt. Der Aufschrei war groß, denn auf einmal fuhren andere, freiberufliche Menschen Kunden herum. Mit eigenen Autos, buchbar über eine App (kein Telefon, nicht an der Straße anhalten, keine Zentrale) und mit unterschiedlichen und dynamischen Preisen.

Auf einmal kam ein Plattformbetreiber, ohne eigene Assets (keine Taxen, keine Mitarbeiter (Fahrer), keine Infrastruktur (Taxistände), etc.). Der Aufschrei der Taxiunternehmen war groß, denn auf einmal kam ein Unternehmen, welches nie als Wettberwerber wahrgenommen wurde, geschweige denn auf dem MArkt vorher aktiv war. Und nun soll das so funktionieren?

Wettberwerb

Alleine in Deutschland wurden Klagen gegen Uber angestrebt (keine Beförderungslizenzen der Fahrer, hier ein Beispielartikel des Focus „Illegale Beförderung: Diese Stadt zeigt Fahrdienst Uber die Rote Karte„). Es wurde versucht, das Thema klein zureden. Letzten Endes ist Uber ein ernst zunehmender Wettbewerb zu herkömmlichen Taxiunternehmen. Und auf einmal fangen auch andere Wettbewerber an, hier mitzumischen (bspw. Clever Shuttle).

Kurz

Bestehende und in ihrer Branche untereinander konkurierende Unternehmen (Taxiunternehmen) erhalten Konkurenz von neuen, bisher nicht auf dem Markt aktiven Wettbewerbern (Uber, Clever Shuttle, etc.). Zudem sind diese Wettbewerber mit anderen Voraussetzungen (keine herkömmlichen Assets wie Fahrzeuge oder angestellte Fahrer)  angetreten und nutzen Technologien (Apps, dynamische Preismodelle), die bisher nicht in diesem Bereich vorzufinden waren: dies ist der Grund, warum Uber gerne als Paradebeispiel für „disruptive Geschäftsmodelle“ und eine „digitale Transformation“ verwendet wird.

So einfach ist das aber dann doch wieder nicht…

Heute

Uber sieht schwierigen Zeiten entgegen, wie ein Artikel der Zeit „So innovativ wie ein Pizzabäcker“ beschreibt: zahlreiche Klagen (Google, sexuelle Belästigung), fehlendes Kapital, eine Strategie (Winner-takes-it-all) hat nicht funktioniert; kurz, es fehlt das funktionierende Geschäftsmodell.

Heißt also nun, dass der Hype um Uber und damit auch neue (digitale) Wettbewerber eine Luftnummer war und ist? Hier ein klares: Nein!

Zukunft

Uber wird ein funktionierendes Geschäftsmodell haben – hierzu bedarf es noch einiger Voraussetzungen und Technologien. Genau das zeigt auch auf, dass Unternehmer sich über neue, andere und mögliche Geschäftsmodelle Gedanken machen sollten!

Uber wartet auf autonome Fahrtechnologien; klingt sehr banal und widerspricht erstmal auch dem Bruch zwischen Google und Uber. Auch widersprüchlich ist, dass ein Autohersteller keinen Dienst wie Uber benötigt, da eine Fahrervermittlung nicht benötigt wird, eine Plattform recht schnell etabliert werden kann (mit Risiko) und ein autonomes Auto auch nicht besessen werden muss. Warum also meine Aussage, dass Uber ein funktionierendes Geschäftsmodell haben wird?

Meine These: Uber sammelt Daten, wertet diese aus und interpretiert diese. Daran ist noch nichts neu. Aber: durch die Erfahrungswerte und kognitive Zukunftsinterpretationen kann Uber voraussagen, wann und wo ein oder mehrere Fahrzeuge benötigt werden, welche Fahrtwege immer wieder genutzt werden, wo die besten Einsammelpunkte sind, wo Veranstaltungen und dadurch ein erhöhtes Fahrtaufkommen ist, und so weiter und so fort.

Das Geschäftsmodell wird also nicht die Erbringung von Beförderungsdienstleistungen sein, sondern die Bereitstellung einer Datenplattform, der unterstützenden Daten zur Erbringung der effizienten Beförderung von Personen (oder Frachten).

Und dies unter Anwendung von Echtzeitdaten (Verkehr), Erfahrungswerten (Dienstags, 17:30 Uhr fahren immer von Ort A ca. 15 Personen ab) und Zukunftsdaten (Mittwoch wird gegen 22:45 Uhr ein erhöhtes Aufkommen an der Allianz Arena (Ende eines Fußballspiel).

Fazit

Ob Uber die Ausdauer bis dahin haben wird, wird die Zeit zeigen. Auch kann es sein, dass es neue Spieler am Markt geben wird, andere Unternehmen diese Datensammlung vornehmen oder ein ganz anderer Sachverhalt eintreten wird.

Es macht jedoch eines deutlich: das eigene Geschäftsmodell sollte zukünftig bedacht und bewertet werden – Chancen gibt es immer, jetzt heißt es machen!

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3 Gedanken zu „Sprechen wir mal über Uber

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