Branche digital: IT

Neue Reihe: Branche digital

Ich werde eine neue Reihe starten. Es wird sich um die nähere Betrachtung von verschiedenen Branchen drehen. Es wird darum gehen, wo sie sich in Zeiten von Veränderung befinden und wie sie damit umgehen. Es soll zeigen, wie sich Branchen auch Veränderungen stellen können. Wo Stellschrauben sind, was es für zukünftige Möglichkeiten geben kann. Ich werde dies praxisnah anhand von (meist anonymen) Beispielen machen.

Die IT-Branche

Beginnen werde ich mit einer Branche, bei der man jetzt fragen könnte: „warum sprechen wir darüber? IT ist doch alleine durch den tagtäglichen Umgang mit Technologie, die Referenzbranche?!“

Wenn es so einfach wäre, hätte ich sie mir nicht als erstes heraus gesucht. Oder vielleicht gerade deswegen. Aber ich will beginnen:

Definition IT

Die Definition der IT (laut Wikipedia): Informationstechnik (kurz IT, häufig englische Aussprache [aɪ tiː]) ist ein Oberbegriff für die Informations- und Datenverarbeitung auf Basis dafür bereitgestellter technischer Services und Funktionen. Diese werden auf einer dahinterliegenden technischen IT-Infrastruktur bereitgestellt. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Services- und Funktionen als auch die technische IT-Infrastruktur physisch vor Ort oder virtuell oder über Netzwerke bereitgestellt werden. (Informationstechnisches System).

In dieser Branche ist eine wahre Vielfalt von unterschiedlichen Unternehmen vorzufinden (Auswahl):

  • Hersteller
    • Hardware
    • Software
  • Betreiber von
    • Rechenzentren
    • Plattformen
  • Dienstleistungsunternehmen
  • Handelsunternehmen (darunter auch Distribution)
  • IT-Beratungsunternehmen
  • Systemhäuser
  • Entwicklungsunternehmen
  • Freelancer

Diese Vielzahl von Ausprägungen ist schon mal sehr spannend und eine Herausforderung an sich. Der Vollständigkeit halber: hinzu kommen Unternehmen, die mit IT im originären Sinne wenig zu tun haben. Durch neue Bereiche wie IoT aber mehr und mehr zu Teil-IT-Unternehmen werden. In dieser Betrachtung wird es primär um die „klassische IT-Branchen“ gehen (vgl.  obige Auflistung).

Die Herausforderungen der IT-Unternehmen

Die prinzipielle Herausforderung besteht darin, dass IT-Unternehmen sich Technologien gegenüber sehen, die einfach neu sind. Es gibt immer wieder neue Technologien, neue „Megatrends“ und neue Unternehmen am Markt. Zudem heißt neue Technologie nicht auch gleich, dass sie teuer sein muss. Vielleicht am Anfang. Sie wird dann aber rasant erschwinglich. Und somit wollen Kunden auch diese neuen Technologien einsetzen und die IT-Unternehmen müssen sich schnell und direkt damit auskennen.

Herausforderung

Die Unternehmen befinden sich unter einander im Wettbewerb, aber auf der anderen Seite dann auch wieder in einem stetigen Miteinander. Bestes Beispiel sind hier Systemhäuser, die unterschiedliche Distributoren und zahlreiche Hersteller hinter sich haben. Sie sind von den jeweiligen Produkten sogar abhängig.

Zudem kommt hinzu, dass die Art und Weise der Projekte sich fortlaufend verändert.

Ein Beispiel

Nehmen wir als Beispiel einmal die CRM-Branche

Als CRM (als Software- und Beratungsprojekt) in die Geschäftswelt getragen wurde, waren die Projekte sehr ähnlich aufgebaut: es gab eine erforderliche Analysephase (Ist-Aufnahme), eine Designphase (Soll) und eine Umsetzung (Maskenanpassung, Entwicklung von zusätzlichen Features, Verwendung von Templates, weitere Produkte, Entwurf von Schnittstellen, die Installation der Hard- und Software, etc.). Anschließend wurde in das System geschult und an den Kunden übergeben.

In diesem gesamten Konstrukt sah es dann meistens so aus:Prozess_IT

Das war das Idealbild. Der Kunde wurde in Fragen zu CRM beraten. Er erhielt eine fertige Lösung. Die Einführung erfolgte im Rahmen eines linearen Projektverlaufs. Die typischen Nachteile (unflexibel, Abgrenzung zu einzelnen Phasen und Projekten, Abfolge, späte Fehlererkennung, etc.) waren ein ständiger Begleiter.

Was sich verändert hat

Es kam neue Technologie auf: die Cloud rückte immer mehr in das Bewusstsein. Hersteller kamen mit Cloudlösungen auf den Markt. Dazu stellten sich natürlich die jeweiligen Unternehmen (Lösungspartner, Distribution/Lizenzierungspartner) die Frage, wie damit umzugehen sei? Wer verdient daran? Wird das eigene Geschäftsmodell noch benötigt? Wie sehen die Projekte aus?

Wie wurde damit umgegangen

Die Lösungspartner machten es sich meist einfach: sie bauten ihre Projekte wie gehabt auf, und boten dem Kunden die Möglichkeit zu entscheiden, wie er die Software nutzen wollte. Also Installation (on premise) oder in der Cloud. Die Projekte waren jeweils identisch. Einzig die Installation fehlte, logisch. Der Aufbau und die Grundelemente wurden jedoch nicht verändert. Es gab weiterhin das lineare Vorgehensmodell.

Die Lösungspartner konnten es gar nicht anders aufbauen, da sie für ihre Existenz dieses Vorgehen benötigt haben! Die Dienstleistung war enorm wichtig. Wie sollten sonst die Menschen bezahlt werden? Daher wurde nur die Bereitstellung verändert, sonst nichts.

Was war mit den Kunden? Durch die neue Technologie und die Unsicherheit dieser gegenüber wollten die meisten keine Cloud-Einführung. Die Daten sollten schließlich bei einem im Haus bleiben. Zeitgleich trat noch ein Phänomen auf: durch die steigende Zahl der Smartphone und App-Benutzung verstanden Kunden „Cloud“ auch mehrfach als „ich nutze CRM aus der Cloud und es bedarf keiner weiteren Dienstleistung – es handelt sich ja um eine standardisierte Nutzung“. Dem war aber nicht so.

Die Hersteller stellten die Software so zur Verfügung, wie sie auch zur Installation zur Verfügung stand. Es gab keine Unterschiede in der Funktionalität. Nur in der Nutzung. Damit war ein Projekt auch hier weiterhin von Nöten. Zudem wollten die Hersteller die Cloudnutzung weiter voran treiben, heißt, dass Partnerziele auf Cloud gelegt wurden. Eine Diskrepanz entstand: Hersteller wollten Cloud-Projekte, Distribution/Lizenzierungspartner hatten keinen primären Geschäftsauftrag mehr, Lösungspartner brauchten weiterhin ihr Projektvorgehen und der Kunde wollte entweder die Nutzung im Haus oder direkt ein „App-Projekt ohne großartige Beratung“. Das es hier zu Missverständnissen kam, dürfte auf der Hand liegen.

An diesem Beispiel sieht man schon, dass es viele Seiten und alleine darin viele Herausforderungen gab. Und immer noch gibt.

Die weiteren Herausforderungen sind, dass die IT-Branche eine sehr technologische Branche ist. Angefangen bei Großrechnern (Mainframe), über LAN-Verkabelung bis hin zur Softwareentwicklung – es ist technisch. Dabei kommt von der anderen Seite aber eine direkte Konfrontation mit Endkunden: die heutige Berührung mit IT ist weitaus größer und normaler als es im Vergleich zu anderen Branchen ist (eine Presse für Waschbecken wird wohl kaum mit einem Endbenutzer in Berührung kommen). Daher umgibt sie uns tagtäglich – jeden von uns. Das ist somit auch eine der größten Herausforderungen, der Umgang mit dem Endbenutzer.

Die Veränderung

Ich habe es eben schon angedeutet: der Endbenutzer wird immer mehr mit IT konfrontiert. Sei es durch die Installation von Apps auf seinem Smartphone, der Einrichtung des Heimnetzwerkes, die Vernetzung von heimischen Geräten (Licht, Steckdosen, Türen, etc.) oder einfach nur durch die Inbetriebnahme eines neuen Fernsehers (neue Fernseher sind mediale Kommunikationszentralen). Das heißt, der Endbenutzer kennt sich immer mehr mit neuen Technologien aus. Er ist informiert darüber. Und dies schlägt vom privaten Bereich auf den Geschäftsbereich über: Unternehmens-IT ist meist nicht so weit. Sei es aus Datenschutz, rechtlichen Aspekten, Rentabilität oder einfach nicht sichtbarem Nutzen. Aber die Benutzer sind versiert und wollen diese Technologien nutzen. Es werden dazu aber IT-Unternehmen benötigt, die in diesem Nutzen beraten und die richtige Lösung entwickeln können. Und mit „Lösung entwickeln“ meine ich nicht eine technologische Lösung – ich meine die Idee und die Umsetzung dieser.

Diese Veränderung ist die schwierigste: IT-Unternehmen sind nicht mehr nur der Partner der komplexe Technologien bereitstellt. Sie werden zu Business-Partnern.

Prognose

IT-Unternehmen werden sich weiter verändern müssen. Die Technologie zu erklären, wird nicht der wichtige Faktor sein. Eine Idee zu finden und mit einer Technologie umzusetzen, dass wird der tragende Baustein sein.

Die IT-Branche wird immer mehr Wettbewerber bekommen. Sei es durch die eingangs erwähnten Unternehmen, die aus anderen Branchen kommen und sich digitalisieren (IoT). Oder durch Startups, die innovative Ideen haben und diese schnell an den Markt bringen können.

IT-Hersteller werden Produkte entwickeln, die einfach nutzbar sind. IT-Partner werden sich in Branchen oder generischen Prozessen auskennen müssen, um ihren Kunden neue Innovationen bereitstellen zu können. Bei Kunden wird sich auch die IT verändern: die IT-Abteilung sind nicht die „Techies“, sondern die internen Berater, die mit dem Endbenutzer nach neuen Umsetzungen und schnellen Lösungen suchen werden.

Und die IT-Branche wird immer schneller auf neue Produkte und mit neuen Ideen konfrontiert werden. Flexibilität und schnelles Handeln werden hier der Schlüssel zum Erfolg sein. Es wird neue Partnerschaften geben. Und es wird auch Unternehmen geben, die diesen Wandel nicht mitgehen oder verstehen werden. Dafür wird es neue Unternehmen geben.

Fazit

Die IT-Branche steckt in der Zwickmühle: sie ist die Branche, die neue Innovationen hervorgebracht hat. Die Technologie wurde nahbarer und einfacher. Dadurch wurde die technologiegetriebene IT durch innovative und zielgerichtete unterstützende IT abgelöst. Wenn sie sich mit diesem Wandel nicht auseinander setzt, wird sie davon abgehängt werden.

Neue Unternehmen werden mit innovativen Ideen an den Markt gehen – ohne den Ballast der Vergangenheit. 

Und genau darauf sollten die alteingesessenen Unternehmen achten: die Vergangenheit ruhen lassen und sich der neuen und stetigen Veränderung bewusst werden.

timeforchange
Zeit zur Veränderung

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