Branche digital: Unternehmensberatung

Der letzte Beitrag der Reihe „Branche digital“ hat die IT-Branche betrachtet. Heute wird es um die Branche Unternehmensberatung gehen.

Die Branche Unternehmensberatung

Es gibt zahlreiche Unternehmensberatungen: vom Einzelunternehmer bis hin zum international tätigen Konzern. Spezialisten, wie aber auch Generalisten. Und es gibt Beratungsunternehmen schon sehr lange: den Anfang machte Arthur D. Little, 1886 gegründet.

Definition Unternehmensberatung

Die Definition der Unternehmensberater (laut Wikipedia): Unternehmensberater bieten anderen Unternehmen eine Beratung als Dienstleistung an. Oft ist das Management der Kunden (bzw. Klienten) Gegenstand der Beratung, dann wird von Managementberatung gesprochen. Manchmal stehen aber auch fachliche Entscheidungen und Veränderungen im Mittelpunkt, wie z. B. bei speziellen IT- oder Ingenieurleistungen, Personalfragen oder der Wirtschaftsprüfung.

Es gibt dabei zahlreiche Beratungsrichtungen:

  • Managementberatung (Strategie, Organisation, Führung, Marketing, Produktion, Logistik)
  • IT-Beratung (IT-Consulting, System-Integration, IT-Service-Provider)
  • Personalberatung (Personal-Recruitment, High Potential Development, Personal Konzepte, Training und Weiterbildung)
  • Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung
  • Ingenieur-Dienstleistungen

Und zudem sind auch die Beratungsinhalte interessant:

  • Fusionen/Übernahmen (Unternehmen, Bereiche, Abteilungen)
  • Auslagerungen/Outsourcing
  • Global Sourcing
  • Umstrukturierung / Change Management
  • Kostensenkung („Cost Cutting“)
  • Einführung neuer Technologien, Arbeitsmethoden und Systeme
  • Sicherheitsberatung
  • Strategieentwicklung, -planung und Umsetzung
  • Interim Management
  • Organisationsdiagnose
  • Finanzierungsberatung
  • PR-Beratung
  • Beschaffungsoptimierung/Einkaufsoptimierung

Die Herausforderungen der Beratungsunternehmen

Beratungsunternehmen verdienen ihr Geld mit externen Beratungsleistungen – meist wenn etwas verändert werden soll. Oder muss. Genau dieser Leistungsgegenstand ist auch zugleich eine der größten Herausforderungen: die Unternehmen beraten in Veränderungen, sie unterliegen aber auch gleichzeitig dem Phänomen, dass sie nicht auf sich selber schauen. Im Grunde müssten sie die nach außen getragen und propagierten Leistungen auch für sich selber in Anspruch nehmen. Dafür würde jedoch eine externe und objektive Sicht benötigt werden. Wie viele Beratungsunternehmen kennen Sie, die sich von einer anderen Unternehmensberatung beraten lassen haben?

Eine weitere Herausforderung ist, dass gerade die größeren Beratungsunternehmen von Beratungsleistung leben. Sie senden ganze Teams von Beratern zu Kunden. Langfristig und in möglichst hoher Quantität, damit sie die entsprechenden Vergütungssätze erzielen können. Dabei arbeiten sie genauso wie vor Jahren: sie beraten und geben Empfehlungen ab, die auf einem längerfristigen Zeitintervall basieren (Blickwinkel ab einem Startpunkt aus der Vergangenheit über ein Beratungsintervall hin zu einem zukünftigen Teilergebnis).

Beratung

 

Dadurch wird ein Ergebnis erzielt, welches sich aber auf einen festgelegten Abschnitt bezieht. Wenn sich grundlegende Änderungen ergeben, werden diese entweder nicht berücksichtigt, oder es wird wieder mit einem neuen Start begonnen.

Ein Beispiel

Ende 2017 war ich auf einer Veranstaltung in der es um das Thema „digitale Transformation“ ging. Es waren zwei Berater und Experten von einer der Top-Unternehmensberatungen vor Ort.

Sie erläuterten, dass sich die Zuhörer unbedingt verändern müssen, da sie sonst mit den Konsequenzen leben müssten. Die Inhalte konfrontierten und waren durchaus spannend. Es wurde dann aber spannend, als ein Zuhörer fragte, wie sich das Beratungsunternehmen denn transformiert hätte. Wenn man „Digitalisierung“ und „digitale Transformation“ nicht als Technologie- sondern als Veränderungskompetenz versteht, waren die getroffenen Aussagen verwirrend:

„Natürlich haben wir uns auch transformiert. Wir führen inzwischen Skype-Gespräche, anstelle immer ins Büro zu fahren. Auch haben wir einzelne Prozesse digitalisiert und haben nun weniger Papier.“

Und noch spannender wurde es, als sie ihre Lösung für Unternehmen aufgezeigt haben. Der Vorschlag war das folgende Modell:

Wasserfallmethode

 

Es handelt sich hierbei um das sogenannte „Wasserfallmodell„. Man kümmert sich um die erste Stufe. Die zweite Stufe baut in der Regel auf der ersten auf. Die dritte auf den vorangegangen, etc.

Das Unternehmen hat ein Modell vorgeschlagen, welches auf die nächsten drei bis fünf (3-5) Jahre ausgerichtet ist. In einer Zeit, in der Schnelligkeit und Flexibilität bei Veränderungen ausschlaggebend ist. Wenn man immer wieder das Verlangen nach agilen Methoden hört, verwirrt dieser Vorschlag.

Was sich verändert hat

Durch eine grundlegende Veränderung (industrielle Revolution/digitale Transformation)  an den Märkten haben sich auch die Anforderungen der Kunden an einen externen Blick auf das eigene Geschäft (zu beratenden Umfang) verändert. Die Frage ist nun, wie damit umzugehen ist? Heißt das, dass Berater nicht mehr benötigt werden? Oder sich die Beratungsbranche in einem Umbruch befindet?

Wie wurde damit umgegangen

Aktuell suchen die meisten Unternehmensberatungen nach neuen Skills bei ihren Mitarbeitern. Sie suchen nach IT-Fachkräften, die ihre Kunden technologisch beraten sollen. Man versucht das, was man in der Vergangenheit auch schon versucht hat: Fachberater mit entsprechenden Skills suchen, um den originären Auftrag der externen Beratung wieder sicherzustellen. Das Vorgehen der Beratungsleistung an sich bleibt dabei unverändert. Man entwickelt theoretische Wasserfallmodelle, die auf langfristige Beratung setzen.

Man befindet sich weiter in seinem gewohnten Umfeld.

An diesem Beispiel sieht man schon, dass es viele Seiten und alleine darin viele Herausforderungen gab. Und immer noch gibt.

Auch seien die Kunden erwähnt, die immer neuere Methoden und Möglichkeiten ausschöpfen. Sie versuchen sich in der Veränderung. Unternehmensberatungen werden dabei teilweise abgehängt und sie können nur noch reagieren. Sie agieren nicht.

Prognose

Beratungsunternehmen, gerade die großen Unternehmen die auf die langfristigen Projekte angewiesen sind, müssen anfangen sich selber zu transformieren. Sie müssen zu agierenden Unternehmen werden. Sie müssen auf neue Methoden und Modelle setzen. Und vielleicht auch mal abwegige, vielleicht sogar revolutionäre Pfade einschlagen.

Es wird immer neuere Wettbewerber geben, die schneller und agiler sind. Die nicht den gesamten Tross mitziehen müssen. Die schlank sind und mit frischen Ideen aufwarten.

Flexibilität und schnelles Handeln werden hier der Schlüssel zum Erfolg sein. Es wird neue Partnerschaften geben. Und es wird auch Beratungen geben, die diesen Wandel nicht mitgehen oder verstehen werden. Dafür wird es neue Unternehmen geben.

Fazit

Beratungsunternehmen sind keine Innovationstreiber. Sie haben ihr eigenes Modell im Blick, die Zukunftsfähigkeit ihrer Mandanten kommt erst an zweiter Stelle.

Genau das wird ihre Daseinsberechtigung immer mehr in Frage stellen. Sie wird schon jetzt in Frage gestellt.

Wenn die Unternehmen jetzt nicht darauf reagieren, wird sich dieser Prozess immer weiter fortsetzen. Und dann werden Beratungsunternehmen selber feststellen, was Disruption heißt.

Es wird für Beratungsunternehmen Zeit zum agierenden Innovationstreiber zu werden. 

Dadurch kann eine eigene Transformation ein Erfolg werden.

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