Heute für morgen beginnen

Unsere Welt verändert sich. Hat sie schon immer. In der jüngsten Zeit haben wir von „industriellen Revolutionen“ gesprochen. Auch heute sprechen wir davon. Wir sprechen von der vierten Revolution. Und häufig wird dies auch mit Digitalisierung übersetzt. Ich denke, dass wir in der Zukunft zurückblicken werden. Dabei werden wir nicht von der vierten industriellen Revolution sprechen. Sondern werden tatsächlich von „Digitalisierung“ oder „Der digitalen Transformation“ reden. Diese Begriffe stehen heute schon als Synonym für unsere digitale Veränderung in der Kultur und im alltäglichen miteinander.

Was passiert gerade?

Aktuell hat sich gerade eine neue Regierung gebildet. In den vergangenen Wochen wurden Ministerposten diskutiert, vorgestellt und Aufgaben verteilt. Die Bundeskanzlerin wurde wiedergewählt und vereidigt. Und  in den Verhandlungen zur Regierungsbildung wurde auch die Digitalisierung in den Mittelpunkt geschoben. Meist wird diese gerne mit Breitband gleichgesetzt. Es ist aber natürlich weit mehr als das. Es bedarf hier immer einer ganzheitlichen Betrachtung. Es ist ein sehr komplexes Thema. Nur wo sollte man beginnen? Ist vielleicht Breitband doch gar nicht mal so verkehrt?

Sagen wir mal so: es gehört insgesamt schon mit dazu. Andere Themen sollten aber mehr betrachtet und nach vorne gebracht werden.

Fangen wir doch mal mit Bildung an

Haben Sie schon mal von Ranga Yogeshwar gehört? Er ist ein luxemburgischer Wissenschaftsjournalist, Physiker und Moderator. Es setzt sich sehr mit der Gesellschaft auseinander. Und er beschäftigt sich sehr mit der Bildung unserer Kinder. Hierzu eine Aussage aus einem Interview welches 2015 geführt wurde:

„Ich glaube, genau da ist es viel mehr als nur eine Schule, die sich verändern muss. Eine Gesellschaft muss der Bildung eine andere Priorität geben.“

Hier finden Sie das gesamte Interview zum nachlesen.

Weiter geht es in diesem Interview um die Art und Weise des Lernens. Und auch um die gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Wahrnehmung.

Auch die Initiative „Jeder kann programmieren“ ist äußert interessant. Hier geht es darum, dass Kinder bereits in einem frühen Alter der Programmierung näher gebracht werden. Und es geht dabei nicht um die Leistungsmaxime „Höher, schneller, weiter, früher und noch besser“, sondern um den alltäglichen Umgang mit (neuen) Technologien.

Er zeigt mit seinen Aussagen, mit seiner Meinung und seinem Handeln einen guten Anfang auf.

Das Bildungssystem

Unser Bildungssystem an sich bedarf einer grundlegenden Veränderung. Nachwachsende Generationen lernen immer noch so, wie vor Jahrzehnten. Es wird education-3189934_1280immer noch Wissen vermittelt (was im Grundprinzip auch richtig ist). Es werden immer noch Bücher ausgegeben, teilweise angereichert um digitale Medien. Es wird auswendig gelernt. Und es wird für Prüfungen gepaukt. Und wieder vergessen. Schüler werden in ein Raster gepresst. Individualität und Kreativität gibt es nicht. Wir vermitteln Wissen des Wissens wegen. Das grundlegende ist aber das Verstehen. Und das Interesse wecken. Die eben genannte Kreativität fördern. Und auch hier mit neuen Möglichkeiten anreichern.

Hierzu ein Beispiel/Zukunftsszenarium

Stellen Sie sich doch bitte einmal vor, dass Sie zu einem Juristen müssen. Sie haben vertragliche Fragen und brauchen eine fachkundige Aussage.

Heute

Heute ist es so, dass Sie wahrscheinlich erstmal mit einem Anwalt telefonieren. Und ihm daraufhin die relevanten Dokumente zusenden werden. Er wird daraufhin aktiv: er wird sie prüfen, die entsprechenden Gesetzbücher als Hilfe heranziehen. Und er wird neue Rechtsprechungen dazu durchforsten. Anschließend wird er Ihnen seine Einschätzung dazu geben. Die Einschätzung ist nicht bindend – Recht haben und Recht bekommen unterliegen zahlreichen weiteren und oft noch nicht mal nachvollziehbaren Faktoren. Was an Zeit (alleine durch Recherche) und Geld investiert wurde? Viel.

Ein mögliches Zukunftsszenarium

Stellen Sie sich die gleiche Situation vor. Sie brauchen wieder eine fachkundige Aussage. Auch in der Zukunft stimmen sich wieder telefonisch (natürlich gerne auch per virtueller Realität oder nur einem einfachen Videoanruf – da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt) ab. Und senden ihm im Gespräch die besagten Dokumente zu. Nur ist es diesmal so, dass Sie in Ihrem Telefonat direkt auch eine tragfähige Aussage erhalten. Sprich, Sie haben in einem kurzen Gespräch bereits eine Aussage erhalten. Wie ist das möglich?

Als Sie mit Ihrem Anwalt telefonierten, schilderten Sie ihm den Sachverhalt. Als Sie die Unterlagen zusandten, nahm er diese, reicherte sie mit Ihrem Sachverhalt an und gab dies in sein Device (nennen wir es Notebook) ein. Hinter der Eingabemaske wurde eine Cloud-Anwendung befragt. Es wurden alle Gesetzestexte, Richtersprüche und Rechtssprechung befragt. Zudem sonstige Aussagen und Zugehörigkeiten. Dies wurde dann von einer KI (= Künstliche Intelligenz) geprüft, in Relation zueinander gebracht und dem Anwalt zur Verfügung gestellt. Seine Aufgabe besteht nun noch darin, die Ausgabe zu verifizieren, ggf. weiter zu interpretieren und Ihnen mitzuteilen. Und das innerhalb von wenigen Augenblicken.

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bildung

Was sind dabei nun die Auswirkungen? Und wie können wir etwas verändern?

Wir lernen in den meisten Fällen noch so, wie wir es selber gelernt haben. Wie früher. Warum nutzen wir aber nicht mehr die Möglichkeiten, die wir haben? Reformieren die Bildung richtig. Und halten es auch hier agil?

Die Auswirkungen wären vielschichtig: wir müssten als erstes Mut zur Veränderung aufbringen. Es würde bedeuten, dass wir grundlegend die Art und Weise des Lernens und des Wissens in Frage stellen müssen. Muss der angehende Anwalt die meisten Gesetzestexte kennen? Oder muss er andere Fähigkeiten besitzen? Interpretation, Analytik, Menschenkenntnis, Empathie?

Fazit

Man könnte jetzt natürlich soweit gehen und fragen, welche Inhalte und Aufgaben ein Jurist in der Zukunft haben wird. Wenn sich in der Bildung und in der Art nichts ändern wird, kann es durchaus sein, dass diese Frage nicht von den Juristen geklärt werden wird. Sie wird dann von Menschen beantwortet werden, die den Mut aufgebracht haben etwas zu verändern. Die sich nicht um die Ausbildung und den Weg eines Juristen Gedanken gemacht haben. Und sie werden sich der Digitalisierung bedient haben.

Daher ist es wichtig, dass wir heute den Mut aufbringen und die Bildung von vorne revolutionieren. Es bedarf hier nicht nur einfacher Reformen. Wie können wir heute von Beginn an lernen, um morgen und übermorgen fit zu sein? Und nicht nur in einem Wettbewerb – in einem Umfeld, dass Möglichkeiten zulässt, die es in der Vergangenheit schlichtweg nicht gab?

Mut, Offenheit und Neugierde, dass ist jetzt gefragt, um dies zu diskutieren und Lösungen zu finden. Packen wir’s an!

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