Wo liegt das Problem?

In früheren Rhetorik-Seminaren wäre ich nun gerügt worden: „Problem! Problem geht nicht! Das ist doch viel zu negativ!“ – ist dem so? Ist „Problem“ negativ?

Das Problem

Die Einleitung von Wikipedia finde ich hierzu sehr treffend:  „Ein Problem (griechisch πρόβλημα próblema, deutsch ‚das Vorgeworfene, das Vorgelegte‘, „das, was [zur Lösung] vorgelegt wurde, Klippe, Hindernis“), nennt man eine Aufgabe oder Streitfrage, deren Lösung mit Schwierigkeiten verbunden ist. Probleme stellen Hindernisse dar, die überwunden oder umgangen werden müssen, um von einer unbefriedigenden Ausgangssituation in eine befriedigendere Zielsituation zu gelangen.

Ein Problem darf demnach Schwierigkeiten beinhalten. Es darf auch zum Streiten verwendet werden, bzw. muss es das sogar. Und es ist zweckdienlich: es soll von einer unbefriedigenden Ist-Situation zu einer befriedigenden Soll-Situation unterstützten. Eigentlich klingt das doch toll und herausfordernd, oder?

Problem vs. Herausforderung

Eine Herausforderung ist positiv behaftet: ich stelle mich den Herausforderungen, die mir das Leben bringt. Daher wird dieses Wort gerne anstelle dessen verwendet. Es ist aber nur eine Schönfärberei. Denn es gibt durchaus streitbare Probleme heutzutage. Und diese sollten auch so benannt werden dürfen. Wenn ich bei Unternehmen bin und dort mit Mitarbeitern spreche, dann merke ich oft, dass auch die Mitarbeiter an den bereits erwähnten Rhetorik-Seminaren teilgenommen haben. Und es zur (Un-) Kultur geworden ist, dass Wort „Problem“ nicht anzusprechen. Sondern es lieber positiv als Herausforderung zu betrachten. Denn: es gibt keine Probleme. Nur Herausforderungen. Man drückt sich davor, die Probleme zu benennen. Und genau das ist ein Problem.

Bewußtsein

Wenn wir Probleme umschreiben, dann manifestiert sich das auch in anderen Bereichen: wir benennen viele Dinge nicht mehr, umschreiben, finden andere Worte und verklären. Genau das erlebe ich immer mehr in vielen Unternehmenskulturen: es mangelt am klaren Bewußtsein der Geradlinigkeit gegenüber.

Wenn ich nicht weiß, was schlecht oder falsch läuft, dann kann ich mich auch nicht damit befassen. Ich muss Themenschwerpunkte identifizieren und erörtern können. Sonst begeben wir uns auf eine lange Problemanalyse. Kostet Zeit, Geld und Nerven. Wollen wir also alle nicht.

Aufruf

Also mein Aufruf: lasst es uns wieder beim Namen nennen: ja, es gibt Probleme! Und ja, es gibt auch Herausforderungen! Lasst uns Probleme wieder benennen, darüber streiten und zu einer Verbesserung der Ist-Situation beitragen. Lasst uns angeregt diskutieren und uns dessen bewusst sein!

Ich finde gerade im Zeitalter der Digitalisierung passen Probleme, Diskussionen und streitbare Themenfelder hervorragend rein. Also, lasst uns handeln und unsere Probleme angehen!

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